Fahrradanhänger – Tipps, Tricks und Empfehlungen

Für den Transport eines Kindes mit dem eigenen Fahrrad gibt es verschiedene Möglichkeiten: Fahrradkindersitz am Fahrrad montiert, Lastenrad oder Fahrradanhänger. Jede Option hat verschiedene Vorteile und Nachteile. Heute beleuchte ich für dich den Fahrradanhänger.

Niemals ohne Helm unterwegs!

Auch im Fahrradanhänger sollte dein Kind unbedingt einen Helm tragen, auch wenn einige Hersteller behaupten, dass dies nicht notwendig wäre. Im Falle eines Unfalls kann es zu schweren Schädelverletzungen deines Kindes kommen, weil es entweder gegen den Metallrahmen stößt, es mit dem Geschwisterkind mit dem Kopf zusammenschlägt oder das Auto den Fahrradanhänger an einer ungünstigen Stelle trifft. 2020 wurden im 9242 Kinder unter 15 Jahren im Straßenverkehr als Fahrer oder Mitfahrer eines Fahrrads verletzt – davon 1096 schwerverletzt – und 9 getötet. Nur ein Helm kann hier schwere Kopfverletzungen verhindern! Fahrradanhänger, in denen kein Helm getragen werden kann, weil sie eine universelle Kopfstütze haben, sind daher nicht empfehlenswert. Ein gut sitzender Helm wird den Kopf immer mehr schützen als eine universelle Kopfschale oder -stütze.

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Auch die Baby-Hängematte im Fahrradanhänger sollte aus diesem Grund nicht genutzt werden, um damit Fahrrad zu fahren sondern nur zu schieben. Ohnehin ist es bei einigen Modellen vom Hersteller aus untersagt, mit Hängematte Fahrrad zu fahren sondern man darf in diesem Betriebsmodus nur schieben. (Bitte auch nicht mit der Hängematte joggen, die Belastung für Wirbelsäule und Muskulatur ist im Liegen zu groß.) Außerdem ist es in der Hängematte nicht möglich, deinem Baby einen Helm aufzusetzen. Einerseits gibt es erst ab 44cm Kopfumfang passende Helme und selbst wenn es einen passenden Helm gäbe, ist es nicht möglich, dein Kind damit in die Hängematte zu legen, da der Kopf dann auf die Brust gedrückt würde und dein Kind Atemprobleme bekommen könnte. Nutze daher den Fahrradanhänger nach Möglichkeit erst, wenn dein Kind selbstständig aufrecht sitzen und einen Helm tragen kann. Österreich ist hier Vorreiter und hat eine Helmpflicht für Kinder unter 12 Jahren!

Es gibt für Fahrradanhänger abgeflachte Helme, damit der Kopf deines Kindes nicht nach vorne gedrückt werden kann: Dieser Helm* passt schon ab 44cm Kopfumfang und ist hinten abgerundet für einen besseren Sitz deines Kindes. Probiere unbedingt mehrere Helme an, damit du den passenden Helm für dein Kind findest!

 

Vorteile eines Fahrradanhängers:

  • ein Fahrradanhänger steht sicher, ohne dass du dein Fahrrad die ganze Zeit festhalten musst
  • der Metallrahmen des Anhängers bietet im Falle eines Unfalls einen guten Schutz
  • auch die Rückhaltesysteme schützen dein Kind im Falle eines Crashs gut
  • gefederte Anhänger sind für dein Kind angenehmer
  • mehr als ein Kind kann mitfahren
  • du kannst den Anhänger kann auch als Buggyersatz oder zum Joggen nutzen
  • dein Kind ist vor dem Wetter geschützt

Nachteile eines Fahrradanhängers:

  • Da der Anhänger niedrig auf der Straße ist und das Fahrrad verlängert, besteht die Gefahr mit dem Fahrradanhänger übersehen zu werden, wenn er nicht korrekt markiert ist
  • Fahrradanhänger sind im Vergleich zu anderen Transportmöglichkeiten recht teuer
  • bei einigen Modellen ist es nicht möglich dem Kind einen Helm aufzusetzen, diese sind also ungeeignet
  • mit Fahrradanhänger bist du sehr lang und breit und musst darauf achten wo und wie du fährst und auch wie du an der Ampel anhälst, damit der Fahrradanhänger nicht auf der Straße steht
  • der Fahrradanhänger hat auch einen hohen Platzbedarf, wenn er nicht genutzt wird
  • ohne Federung sind Fahrradanhänger für Kinder gerade in unebenem Gelände sehr unbequem

Was muss ich beim Kauf eines Fahrradanhängers beachten?

Es gibt sehr viele verschiedene Fahrradanhänger in den unterschiedlichsten Ausführungen, da fällt es schwer einen Überblick zu bekommen. Je nachdem für welchen Einsatzzweck du den Fahrradanhänger nutzen willst, wo du fahren möchtest und wie viele Kinder du mitnehmen möchtest, hast du die Wahl zwischen verschiedenen Anhängern.

Nimm zum Kauf am besten dein Fahrrad mit. So kannst du gucken, ob der Anhänger wirklich an deinem Fahrrad montiert werden kann. Auch dein Kind sollte mitkommen, um zu testen, wie es im Anhänger sitzt.

Die wichtigsten Punkte, auf die du achten solltest:

  • Kann dein Fahrrad überhaupt einen Anhänger ziehen?
    • Hat dein Fahrrad die Möglichkeit einen Anhänger zu befestigen? Es gibt Hinterradachs-, Sattelstütz- oder Rahmenklemmung, um den Anhänger an deinem Fahrrad zu befestigen. Je tiefer du den Anhänger am Fahrrad befestigen kannst, desto besser!
    • Wie viel zulässiges Gesamtgewicht hat dein Fahrrad?
  • Ist der Anhänger nach DIN-Norm EN 15918 geprüft  (dann ist auch ein Speichenschutz vorhanden) und hat das GS-Siegel?
  • Wo willst du mit dem Anhänger fahren? Insbesondere auf Schotterwegen sollte der Anhänger gefedert sein
  • Ist die Federung je nach Gewicht einstellbar?
  • Hat der Anhänger eine Feststellbremse, die beide Räder bremst?
  • bei älteren Modellen: Sind Sicherheitsgurte und Überrollbügel vorhanden? Am besten ein 5-Punkt-Gurt.
  • Ist es möglich, dass dein Kind im Anhänger einen Helm trägt?
  • Sind im Kopfbereich deines Kindes Stangen oder Kanten, an denen es sich stoßen kann?
  • Hat der Anhänger eine Frontabdeckung gegen Sonne und Regen?
  • Sind die Fenster aus UV-Schutzfolie?
  • Bei einem Zweisitzer: Kann dein Kind in der Mitte sitzen, wenn du nur ein Kind mitnehmen willst?
  • Hat der Anhänger große Räder für mehr Komfort?
  • Hat der Fahrradanhänger eine auffällige Farbe? Auch wenn Schwarz oder Grau hübscher sind, im Sinne der Sicherheit sind auffällige, helle Farben eine bessere Wahl.

Fahrradanhänger im Winter:

Achte im Winter darauf, dass deinem Kind im Fahrradanhänger nicht zu kalt wird. Ein Fußsack kann hier gute Dienste leisten. Achte darauf, dass du dein Kind trotz Kleidung gut anschnallen kannst. Wollwall-Kleidung funktioniert hier besser als die gefütterte Daunenjacke – ähnlich wie im Auto.

Achtung: ein Schal kann wegen der Strangulationsgefahr gefährlich werden.

Fahrradanhänger im Sommer:

Im Sommer hingegen kann deinem Kind im Fahrradanhänger zu warm werden. Hier lässt sich bei den meisten Modellen im rückwärtigen Bereich das Verdeck öffnen, sodass genug Luft im Fahrradanhänger zirkulieren kann.

Wo fahre ich am besten mit dem Fahrradanhänger?

Mit dem Fahrradanhänger darfst du nur auf dafür ausgewiesenen Fahrradwegen oder der Straße fahren. Auf dem Fußweg darfst du nur fahren, wenn dein Kind bis zum Alter von 8 Jahren selbstständig Fahrrad fährt und du es auf dem Fußweg begleitest. Für den Fahrradanhänger gilt diese Ausnahme jedoch nicht. Nutze also wann immer möglich den Fahrradweg und achte auch darauf, dass dein Fahrradanhänger beispielsweise an der Ampel oder Verkehrsinseln nicht über den Radweg hinaus auf die Straße reicht.

Ob Kinder im Fahrradanhänger vermehrt Abgase einatmen ist umstritten. Wenn du hier Sorge hast, kannst du versuchen stark befahrene Straßen zu meiden.

Achte darauf, dass du das Verdeck im Frontbereich als Schutz vor auffliegenden Steinen immer verschließt.

Rechtliches:

Bis zu zwei Kinder dürfen bis zum vollendeten siebten Lebensjahr in einem Fahrradanhänger mit geeigneten Sitzen und Rückhaltesystemen mitfahren. Behinderte Kinder dürfen auch länger mitfahren.
Für das Gesamtgewicht des Anhängers gelten die Vorgaben des Herstellers in der Bedienungsanleitung. Fehlen Herstellerangaben, sollte der ungebremste Anhänger ein Gesamtgewicht von 40 Kilogramm nicht überschreiten.
Fahrradrahmen und Bremsanlage müssen so solide beschaffen sein, dass sie den erhöhten Anforderungen standhalten. Fahrer oder Fahrerin des Fahrrades, an den der Fahrradanhänger angehängt ist, müssen mindestens 16 Jahre alt sein.

Für Österreich gilt die Helmpflicht auch im Anhänger!

E-Bikes und S-Pedelecs dürfen keinen Fahrradanhänger ziehen, herkömmliche Elektrofahrräder/ Pedelecs jedoch schon.

Empfehlungen für einen Fahrradanhänger:

Einsitzer:

Günstiges Einsteigermodell: Croozer keeke kid 1*

Vorteile:

  • stabil
  • großer Kofferraum
  • gute Federung
  • auch als Kinderwagen nutzbar, Jogging-Set nachrüstbar
  • Fensterfolien und Regenscheibe mit UPF 80

Zweisitzer:

Willst du nur ein Kind mit einem Zweisitzer mitnehmen, sollte der Anhänger so beschaffen sein, dass dein Kind dann in der Mitte sitzen kann, damit die Belastung nicht einseitig ist.

Euer Favorit: Thule Cariot Sport 2*

Vorteile:

  • gute, einstellbare Federung
  • wendig
  • geeignet zum Joggen und als Kinderwagenersatz
  • einzeln verstellbare Liegesitze
  • Handbetätigte Scheibenbremse
  • abnehmbare Fenster und mehrfach verstellbare Sonnenblende
  • großer Laderaum

Etwas günstiger mit ein paar Abstrichen: Thule Cariot Cross 2*

Vorteile:

  • einstellbare Federung
  • einzeln verstellbare Liegesitze
  • großer Laderaum

Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis: Queridoo Sportrex 2*

Vorteile:

  • 3-in-1-Verdeck (Insekten-, Sonnen- und Spritzwasserschutz)
  • 360°-Belüftungssystem mit manueller Klimakontrolle
  • Blattfeder-Dämpf-System-Plus (Einstellbar)
  • Hand-Parkbremse am Schiebegriff

Mach deinen Fahrradanhänger sicherer:

Die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) legt fest, wie ein Fahrradanhänger beleuchtet sein muss, bei älteren Modellen musst du dies evtl. nachrüsten.

Beleuchtung Fahrradanhänger

 

Um die Sicherheit im Fahrradanhänger zusätzlich zu erhöhen, kannst du diverses Zubehör erwerben. Damit dein recht tief auf der Straße liegender Fahrradanhänger besser gesehen wird, solltest du einen Wimpel* anbringen (In Österreich ist dieser übrigens gesetzlich vorgeschrieben). Auch zusätzlich angebrachte Reflektoren* am Anhänger sind sinnvoll. Ein Rückspiegel* gibt dir mehr Sicht in Kurven und gleichzeitig kannst du deine Kinder sehen. Auch spezielle Anhängerkupplungen bieten mehr Sicherheit, da der Fahrradanhänger stehen bleibt, wenn das Fahrrad umkippt.

Gerade jüngere Kinder schlafen auch des Öfteren im Anhänger ein. Damit der Kopf dann nicht nach vorne kippt, kannst du deinem Kind ein Schlafkissen* ummachen, damit es eine bessere Sitzposition hat.

 

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